Mobilisierung

Die Mobilisierung von Kapital ist für multilaterale Entwicklungsbanken (multilateral development banks/MDB) und Entwicklungsfinanzierer (development finance institutions/DFI) von größter Bedeutung, um den globalen Bedarf an Entwicklungsfinanzierung stemmen zu können. Konkret ist damit die Aufgabe gemeint, zusätzlich zu eigenen Investitionen auch Gelder aus der Privatwirtschaft (und in geringerem Maße aus öffentlichen Töpfen) anzuziehen und wirksam einzusetzen.

Um die Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen zu erreichen, sind allein in den Entwicklungsländern bis 2030 schätzungsweise 4 Bio. US-Dollar im Jahr nötig. Diesen Bedarf kann der öffentliche Sektor – samt den MDB – nicht alleine decken. Deshalb muss der Privatsektor helfen, die Finanzlücke zu schließen. Multilaterale Entwicklungsbanken spielen eine wichtige Vermittlerrolle zwischen Privatsektor und aufstrebenden Volkswirtschaften. Sie leisten dringend benötigte Unterstützung und bahnen Kontakte zwischen lokalen Wirtschaftsvertretern und ausländischen Investoren an, um die Kapitalmobilisierung zu erhöhen.

Für die EBWE als eine Entwicklungsbank, die sich auf die Privatwirtschaft konzentriert, gehört die Mobilisierung von Kapital entsprechend dem Übereinkommen zur Errichtung der Bank zum Herzstück ihres Mandats. Um eine möglichst große Wirkung zu erzielen, versucht die Bank die mobilisierten Summen zu erhöhen, indem sie

  • den Umfang bestehender Mobilisierungsprodukte erhöht,
  • ihre Produktpalette erweitert und
  • mit einer größeren Zahl und Bandbreite an Investoren zusammenarbeitet.

Indem sie innovative Instrumente entwickelt, kann die EBWE neuen Arten von Investoren den Zugang zu aufstrebenden Volkswirtschaften erschließen, dadurch das Investitionsvolumen steigern und so in den Einsatzregionen mehr bewirken.

Die EBWE ist ein wertvoller Partner für Investoren, die in einen aufstrebenden Markt einsteigen möchten, denn sie erhalten nicht nur Zugang zur Projektpipeline der Bank, sondern auch zu ihrer Erfahrung und ihrem Wissen über das betreffende Land. Parallel dazu hilft der Politikdialog der EBWE den Zielländern bei der Umsetzung von Regulierungs- und Marktreformen. Denn ein stabiles Umfeld, das privatwirtschaftliche Investitionen fördert, ist der Schlüssel zu einem höheren Mobilisierungsvolumen.

Derzeitige Mobilisierungsinstrumente

A/B-Darlehen

Über A/B-Darlehen können sich Kofinanzierungspartner an einem EBWE-Darlehen beteiligen. Während die EBWE als Kapitalgeberin des Gesamtdarlehens auftritt, beteiligen sich die Kofinanzierer im Rahmen eines Beteiligungsvertrages als sogenannte „B-Kapitalgeber“. Die Kofinanzierungspartner profitieren vom bevorrechtigten Gläubigerstatus (Preferred Creditor Status/PCS) der EBWE und genießen Steuerfreiheit.

Wenn die EBWE als offizielle Kapitalgeberin auftritt, können die beteiligten Unternehmen am Status als bevorrechtigter Gläubiger teilhaben. Der PCS stellt zwar keine umfassende Absicherung gegen Länderrisiken dar, schwächt die Risiken jedoch in einigen Bereichen ab. So werden die Darlehen im Fall eines Moratoriums beispielsweise weder neu terminiert noch unterliegen sie Einschränkungen in Bezug auf die Konvertibilität und Transferierbarkeit harter Währung.

Der bevorzugte Gläubigerstatus der EBWE hat sich als wirksamer Mechanismus bewährt. Als Russland im August 1998 ein Moratorium für Schuldendienstzahlungen in harter Währung verkündete, wurden alle unter A- und B-Darlehen der EBWE fälligen Beträge vollständig und fristgerecht gezahlt.

Die EBWE ist außerdem von der Steuerpflicht, einschließlich Quellensteuer, freigestellt und darf ihre Steuerfreiheit an ihre Kofinanzierer weitergeben.

Paralleldarlehen

Bei Paralleldarlehen unterzeichnen die Kapitalgeber einen gesonderten Darlehensvertrag direkt mit dem Kreditnehmer. Die Beziehungen zwischen den Kreditgebern, einschließlich der EBWE, können dabei in Gläubigervereinbarungen geregelt werden. Anders als bei A/B-Darlehen profitieren die Kreditgeber von Paralleldarlehen nicht vom bevorzugten Gläubigerstatus der EBWE.

Programm zur Versicherermobilisierung

2014 rief die EBWE ein Programm zur Mobilisierung von Versicherern (Insurer Mobilisation Programme) ins Leben, um auch Versicherungsunternehmen in die Mobilisierungsarbeit einzubinden. Bei der Initiative handelt es sich um ein einfaches und wirksames Programm zur Risikoteilung, das es Versicherungsunternehmen ermöglicht, in von der EBWE initiierten Transaktionen Risiken abzudecken – entweder über nicht finanzierte Risikobeteiligungen (unfunded risk participations/URP) oder eine Forderungsausfallversicherung (non-payment insurance/NPI). Da die EBWE als offizielle Kreditgeberin für das Gesamtdarlehen auftritt, profitieren URP- und NPI-Anbieter vom bevorzugten Gläubigerstatus der EBWE sowie von Steuerfreiheit.

Blended Finance

Die EBWE ist bestrebt, bei der Mobilisierung von Privatkapital immer wieder neue Wege zu gehen. So loten wir beispielsweise den Einsatz von Blended-Finance-Instrumenten aus, die sich in einem begrenzten Rahmen abspielen und Marktverzerrungen vermeiden.

Ein solches Instrument ist die Climate Syndication PlatformEN, eine Kooperation zwischen der EBWE und dem deutschen Bundeswirtschaftsministeriums, bei der B-Kreditgeber und Kunden der EBWE im Rahmen der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI)EN eine begrenzte Erstverlustrisikoabdeckung in Höhe von 30 Mio. EUR sowie technische Hilfe erhalten. Die Plattform soll privatwirtschaftliche Kofinanzierungen mobilisieren, während die EBWE das ursprüngliche Risiko-Nutzen-Verhältnis der Projekte im Blick behält und sicherstellt, dass die Mittel der Geber möglichst wirkungsvoll eingesetzt werden.

Ein weiteres Beispiel sind die über den Europäischen Fonds für nachhaltige Entwicklung Plus (EFSD+) bereitgestellten EU-Garantien, bei denen die EBWE und ihre B-Kreditgeber eine Erstverlustrisikoabdeckung erhalten, um die Kapitalmobilisierung aus dem Privatsektor zu unterstützen.

Über die beiden Programme erhalten privatwirtschaftliche Kofinanzierungspartner Zugang zu EBWE-Projekten, die ansonsten möglicherweise zu riskant für sie wären, und die Mobilisierung von Privatkapital auf den EBWE-Märkten wird vorangebracht.

Weitere Impulse für Mobilisierung

Über den Risikoteilungsrahmen (Risk Sharing Framework/RSF)EN und den Rahmen für Resilienz und Lebensgrundlagen (Resilience and Livelihoods Framework/RLF)EN stellen die Partnerbanken der EBWE wichtige Kofinanzierungen bereit. Auch die Risikobeteiligungen von Versicherungsunternehmen, bestätigenden Banken und Drittfinanzinstitutionen im Rahmen des Handelsförderprogramms (Trade Facilitation Programme/TFP)EN der EBWE tragen zur Mobilisierung bei. Darüber hinaus zählen auch Investitionen über das Programm der EBWE zur Förderung öffentlich-rechtlicher Partnerschaften (PPP Advisory Programme), ihre Beratungsleistungen im Rahmen von Erneuerbaren-Auktionen (Renewable Energy Auction Advisory Programme) und bestimmte Anleihe- und Eigenkapitalfinanzierungen zu den Mobilisierungen, solange die EBWE nachweislich eine Schlüsselrolle bei der Bereitstellung des Instruments bzw. der Investition innehatte. Bei Fremdfinanzierungs- und Anleiherahmen, bei denen im Kredit- bzw. Anleihevertrag für die Ausreichung der Mittel an Endkreditnehmer ein Multiplikator festgelegt ist, trägt auch das über die Eigeninvestition der EBWE hinausgehende Vielfache zur Mobilisierung bei.