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Osteuropa zeigt bessere Ergebnisse als die Weltwirtschaft
EBWE Transition Report: Besseres Geschäftsklima getrübt durch Zurückbleiben der Landwirtschaft
{Das Wachstum in Mittel- und Osteuropa und der Gemeinschaft Unabhängiger
Staaten hat sich in 2002 zwar verlangsamt - so der heute von der Europäischen
Bank für Wiederaufbau und Entwicklung veröf-fentlichte neuste Transition
Report -, übertraf aber weiterhin das der Weltwirtschaft. Nach einem Wachstum
von 4,2 Prozent in 2001 soll sich die Produktion in diesem Jahr um 3,5 Prozent
ausweiten, in 2003 um 4 Prozent. Gemessen an einer Prognose von 1,5 Prozent
für das weltweite Produktionswachs-tum in 2002 sind diese Zahlen beeindruckend.
Die Widerstandskraft der Region spiegelt die Energie ihrer Reformtätigkeit und
ein deutlich verbessertes Geschäftsumfeld wider. Die Reformindikatoren im
neuesten Report zeigen in den meisten der 27 Einsatzländer der Bank nach oben,
wobei die BR Jugoslawien im zweiten Jahr in Folge die erheb-lichsten
Fortschritte verzeichnen kann.
Gleichzeitig ergab eine persönliche Umfrage unter 6000 Unternehmern in 26
Ländern Hinweise auf Verbesserungen in Finanzen, Infrastruktur und Steuerwesen
sowie bei der Korruptions- und Verbre-chensbekämpfung. Die gemeinsam von EBWE
und Weltbank durchgeführte Umfrage zu Geschäfts-umfeld und
Unternehmensperformanz (BEEPS) kam zum Beispiel zu dem Ergebnis, dass die von
Firmen gezahlte durchschnittliche Bestechungssumme als Anteil der Einkünfte
von rund 2 Prozent auf 1,5 Prozent zurückgegangen ist.
Der Agrarsektor und die Landwirtschaft der Region belasten jedoch das
Geschäftsumfeld. In einem Sonderteil kommt der Report zu dem Ergebnis, dass
die ländlichen Gebiete hinsichtlich der Reform-tätigkeit weit zurückbleiben;
der Lebensstandard stagniert. Die Bevorzugung der Städte durch die Poli-tik
hat im Verein mit starken Interessengruppen dafür gesorgt, dass die
notwendigen Reformen verschleppt werden.
Im großen und ganzen, so Willem Buiter, Chefvolkswirt der EBWE, sind die
Schwellenländer Europas nach wie vor ein Lichtblick in einer im übrigen
überall eingetrübten Weltwirtschaft. Herr Buiter unter-strich die Energie der
Reformtätigkeit in der Region. Allerdings sei eine stärkere
Haushaltskonsolidie-rung und weitere Verbesserungen im Geschäftsumfeld
erforderlich. Ein Litmustest der Reformen sei die Fähigkeit, ausländische
Investitionen ins Land zu holen. Obwohl die ADI in die Region in 2002 die
Rekordhöhe von 31 Billionen US-Dollar erreichen sollen, sei dieser Betrag im
Verhältnis zur Größe der Region immer noch zu niedrig.
Gesamtwirtschaftliche Performanz und Aussichten nach Regionen
In Mitteleuropa und den baltischen Ländern (MEB), die vom Abschwung in der EU
am stärksten betroffen sind, geht man für 2002 von einer Verlangsamung des
Wachstums auf 2,3 Prozent und für 2003 von einem Anstieg auf 3,7 Prozent aus.
Der Report stellt fest, dass das langsame Wachstum in Polen die Folgen der in
sich widersprüchlichen Haushalts- und Geldpolitik widerspiegelt. Die
Aussich-ten für Südosteuropa (SOE) bleiben günstig. Dies ist auf die größere
politische Stabilität und subregio-nale Zusammenarbeit zurückzuführen. Das
Wachstum wird in diesem Jahr auf 3,6 Prozent und im nächsten auf 4,1 Prozent
veranschlagt. In der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS), wo das Wachstum
in 2002 bei 4,4 Prozent und 2003 bei 4,0 Prozent liegen soll, setzen die
Länder, die von einem beträchtlichen Reichtum an Bodenschätzen profitieren,
ihr rasches Wachstum fort. Allerdings rechnet man in Russland, der größten
Volkswirtschaft der Region, mit einem Nachlassen des Wachs-tums auf knapp
unter 4 Prozent.
Mittelfristig, so der Report, müssen die EU-Kandidaten weiterhin ausländische
Investitionen anziehen und die Produktivität steigern, gleichzeitig aber die
haushalts- und geldpolitischen Herausforderungen des EU-Beitritts sorgfältig
angehen. In SOE geben große haushaltspolitische und externe Ungleichge-wichte
weiterhin Anlass zur Sorge. Für die GUS-Länder dürfte die durch
wettbewerbsfähige Wechsel-kurse und hohe Ölpreise begünstigte Wachstumsphase
bald zu Ende gehen, und größere wirtschaftliche Diversifizierung ist
notwendig. Der Aufbau der institutionellen Infrastruktur und das Management
hoher externer Schulden bedeutet eine Herausforderung für etliche ärmere
GUS-Länder.
Transformationsfortschritte nach Regionen
Das größte Reformtempo in MEB, insbesondere im Finanzsektor, erreichten das
Baltikum, die Slowaki-sche Republik und Slowenien. Die näher rückende Aussicht
auf den EU-Beitritt bedeutete für diese Länder einen klaren Anreiz. In SOE
haben Bosnien und Herzegowina und die BR Jugoslawien infolge günstiger
politischer und wirtschaftlicher Entwicklungen im letzten Jahr erhebliche
Reformfortschritte erzielt.
Die Umsetzung von Reformen in der GUS haben auch dazu beigetragen, dass der
Vorwärtsschwung der letzten Jahre nicht ganz nachließ. In Russland wurden bei
der Stärkung der Finanzdisziplin und der Verbesserung der
Unternehmensführungsnormen erhebliche Fortschritte erzielt. Vor kurzem wurden
erste Schritte unternommen, um die Strom- und Eisenbahnensektoren zu
reformieren. Einige GUS-Länder - Aserbaidschan, Tadschikistan, die Ukraine und
Weißrussland - haben Maßnahmen ergriffen, um ihre Handels- und
Wechselkurssysteme zu liberalisieren und staatliche Unternehmen zu
privatisie-ren, aber anderswo mangelte es an wesentlichen Reformfortschritten.
Umfrage zu Geschäftsumfeld und Unternehmensperformanz
Bei dieser Umfrage (BEEPS) geht es um die Wahrnehmung und die Erfahrungen
lokaler Firmen im Hinblick auf das Geschäftsumfeld. Die Ergebnisse zeigen eine
wesentliche Verbesserung gegenüber der ersten Umfrage, über die im Transition
Report 1999 berichtet wurde. Dies ist nicht nur auf die bessere
gesamtwirtschaftliche Performanz, sondern auch auf die zugrunde liegenden
Verbesserungen der Füh-rungsstrukturen zurückzuführen. Ein wichtiges Ergebnis
der BEEPS von 2002 und 1999 ist die Verbes-serung des Geschäftsumfelds der
Region insgesamt um etwa 0,5 Punkte auf einer Skala von 1 bis 4. Am
deutlichsten waren die Verbesserungen in einigen weniger fortgeschrittenen
Ländern in SOE und der GUS.
Die Wahrnehmung des Geschäftsumfelds verbesserte sich am stärksten auf den
Gebieten Finanzen, Infrastruktur, Steuerwesen und Korruptions- sowie
Verbrechensbekämpfung. Im allgemeinen waren diese günstigeren Werte in der
gesamten Region ziemlich gleichartig, mit Ausnahme von Finanzen und
Verbrechensbekämpfung. Auf diesen Gebieten waren die Gewinne von SOE und der
GUS relativ hoch. Auf den Gebieten Wirtschaftsregulierung und Gerichtswesen
gab es weniger Verbesserungen. Ein Teil des Problems besteht darin, dass viele
Staaten immer noch zu schwach sind, um ihre eigenen Beamten unter Kontrolle zu
halten oder ihre eigenen Verordnungen und Gesetze durchzusetzen.
Die Ungleichmäßigkeit des Geschäftsumfelds für verschiedene Firmentypen - von
kleinen, neu gegrün-deten Privatbetrieben bis zu großen staatlichen
Unternehmen - hat sich ebenfalls ausgeglichen. Da sich also der Abstand
zwischen Vorreitern und Nachzüglern unter den Transformationsländern langsam
verkürzt, sehen Unternehmer und Existenzgründer mehr Möglichkeiten, die
negativen Erblasten der sozialistischen Vergangenheit zu überwinden.
Trotz dieser Verbesserungen sind Finanzen, Steuerwesen und
Verbrechensbekämpfung in 2002 nach wie vor die stärksten Geschäftsbarrieren.
Obwohl weniger Firmen über die Zahlung von Bestechungs-geldern berichten und
für diejenigen, die noch zahlen, der Anteil dieser Gelder an ihren jährlichen
Ver-kaufseinkünften gesunken ist, muss hier noch mehr getan werden. Die
Infrastruktur gilt als das am wenigsten problematische Gebiet.
Agrarwirtschaft und ländliche Transformation
Im Sonderteil des Reports wird festgestellt, dass Agrarreformen und
landwirtschaftliche Fragen in den ersten zehn Jahren der Transformation keine
herausragende Rolle gespielt haben. Das Ausmaß der Agrarreformen, soweit sie
überhaupt stattgefunden haben, hängt mit dem Stand der demokratischen Reformen
zusammen und wird durch Interessengruppen behindert.
Die Reformtätigkeit im Agrarsektor ist jedoch nur einer der Faktoren, durch
die sich Differenzen der agrarwirtschaftlichen Performanz erklären lassen.
Gleichbedeutend ist die Ausgangssituation zu Beginn des
Transformationsprozesses, Liberalisierung und Privatisierung in anderen Teilen
der Volkswirtschaft sowie das Ausmaß und die Methoden der Bodenreform. Länder,
die Grund und Boden aus politischen Gründen an Kollektive verteilt haben,
hatten ein niedrigeres Produktionswachstum zu verzeichnen, ebenso Länder, in
denen sich nur ein geringer Anteil des Ackerlandes im Besitz von
Einzelpersonen befindet. Seit Beginn des Reformprozesses durchliefen die
Transformationsländer eine umfangreiche Verlagerung ihres Agrarhandels in die
OECD-Länder. Außerdem nahmen die Agrarhandelsdefizite stark zu. Dies ist zum
Teil auf das hohe Maß an landwirtschaftlicher Protektion in den meisten
OECD-Ländern zurückzuführen, aber auch auf eine niedrige agrarwirtschaftliche
Produktivität, die den Export nach wie vor maßgeblich einschränkt. Begrenzter
Zugang zu den Märkten der Hauptindustrieländer ist ein anhaltendes Problem für
die Exporteure landwirtschaftlicher Rohstoffe und verarbeiteter Agrarpro-dukte.
Der Report stellt fest, dass ländliche Gebiete in vieler Hinsicht hinter den
Stadtgebieten zurückbleiben. Armut und Arbeitslosigkeit sind unter den 134
Millionen Landbewohnern der Region viel weiter ver-breitet, und das ländliche
Geschäftsumfeld bietet den Investoren weniger Anreize. Daher war das Wachstum
ländlicher Betriebe langsamer, die Investitionen niedriger, und die
Restrukturierungen dieser Unternehmen blieben weit mehr dem Zufall überlassen
als die städtischer Firmen. Der Report kommt zu dem Schluss, dass die Stärkung
von Marktverbindungen ein effektiver Weg zur Erhöhung der Effizienz von
landwirtschaftlichen Betrieben und der Verbreiterung und Diversifizierung der
wirtschaftlichen Grundlage von ländlichen Gebieten ist. Bessere Beziehungen
zwischen Agrarbetrieben und ihren Kunden und Zulieferern können zu
Unternehmensreformen, der Entwicklung von Fachkenntnissen und der Zufuhr von
Betriebskapital führen. Eine weitere wichtige Verbindung ist die zwischen
ländlichen Betrieben und Finanzinstituten. Die Transformationsländer sind
immer noch dabei, ihren ländlichen Bankensektor zu reformieren und die
rechtlichen und institutionellen Rahmenstrukturen zu entwickeln die es den
Banken gestatten würden, ihre Kreditvergabe an den Agrarmarkt zu erweitern.
Der Transition Report 2002 bietet eine detaillierte Bewertung der
Fortschritte im Transformationsprozess in Form einer regio-nalen sowie einer
länderspezifischen Analyse der Reformtätigkeit. Darüber hinaus zieht er eine
Bilanz der gesamtwirtschaftli-chen Performanz und untersucht die Aussichten
der Region. Die Reihe der Transition Reports begann in 1994 und bietet einen
wertvollen geschichtlichen Überblick über die politischen und wirtschaftlichen
Reformen in MOE und der GUS sowie ihre Auswirkungen auf die wirtschaftliche
Performanz.
Press contact:
Jazz Singh, Tel: +44 20 7338 7931; E-mail:
singhja@ebrd.com
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