EBRD homepage
About the EBRD
News & events
 
Press releases

Feature stories

Speeches & articles

Multimedia

Calendar of events

Annual meeting

Email alerts & news feeds
Publications
Countries & topics
Projects
Apply for financing
Environment
Capital markets
Working together
 

 

Press release

25 November 2002

Subscribe to press release email alerts
Related links

Osteuropa zeigt bessere Ergebnisse als die Weltwirtschaft

EBWE Transition Report: Besseres Geschäftsklima getrübt durch Zurückbleiben der Landwirtschaft

{Das Wachstum in Mittel- und Osteuropa und der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten hat sich in 2002 zwar verlangsamt - so der heute von der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung veröf-fentlichte neuste Transition Report -, übertraf aber weiterhin das der Weltwirtschaft. Nach einem Wachstum von 4,2 Prozent in 2001 soll sich die Produktion in diesem Jahr um 3,5 Prozent ausweiten, in 2003 um 4 Prozent. Gemessen an einer Prognose von 1,5 Prozent für das weltweite Produktionswachs-tum in 2002 sind diese Zahlen beeindruckend.

Die Widerstandskraft der Region spiegelt die Energie ihrer Reformtätigkeit und ein deutlich verbessertes Geschäftsumfeld wider. Die Reformindikatoren im neuesten Report zeigen in den meisten der 27 Einsatzländer der Bank nach oben, wobei die BR Jugoslawien im zweiten Jahr in Folge die erheb-lichsten Fortschritte verzeichnen kann.

Gleichzeitig ergab eine persönliche Umfrage unter 6000 Unternehmern in 26 Ländern Hinweise auf Verbesserungen in Finanzen, Infrastruktur und Steuerwesen sowie bei der Korruptions- und Verbre-chensbekämpfung. Die gemeinsam von EBWE und Weltbank durchgeführte Umfrage zu Geschäfts-umfeld und Unternehmensperformanz (BEEPS) kam zum Beispiel zu dem Ergebnis, dass die von Firmen gezahlte durchschnittliche Bestechungssumme als Anteil der Einkünfte von rund 2 Prozent auf 1,5 Prozent zurückgegangen ist.

Der Agrarsektor und die Landwirtschaft der Region belasten jedoch das Geschäftsumfeld. In einem Sonderteil kommt der Report zu dem Ergebnis, dass die ländlichen Gebiete hinsichtlich der Reform-tätigkeit weit zurückbleiben; der Lebensstandard stagniert. Die Bevorzugung der Städte durch die Poli-tik hat im Verein mit starken Interessengruppen dafür gesorgt, dass die notwendigen Reformen verschleppt werden.

Im großen und ganzen, so Willem Buiter, Chefvolkswirt der EBWE, sind die Schwellenländer Europas nach wie vor ein Lichtblick in einer im übrigen überall eingetrübten Weltwirtschaft. Herr Buiter unter-strich die Energie der Reformtätigkeit in der Region. Allerdings sei eine stärkere Haushaltskonsolidie-rung und weitere Verbesserungen im Geschäftsumfeld erforderlich. Ein Litmustest der Reformen sei die Fähigkeit, ausländische Investitionen ins Land zu holen. Obwohl die ADI in die Region in 2002 die Rekordhöhe von 31 Billionen US-Dollar erreichen sollen, sei dieser Betrag im Verhältnis zur Größe der Region immer noch zu niedrig.

Gesamtwirtschaftliche Performanz und Aussichten nach Regionen

In Mitteleuropa und den baltischen Ländern (MEB), die vom Abschwung in der EU am stärksten betroffen sind, geht man für 2002 von einer Verlangsamung des Wachstums auf 2,3 Prozent und für 2003 von einem Anstieg auf 3,7 Prozent aus. Der Report stellt fest, dass das langsame Wachstum in Polen die Folgen der in sich widersprüchlichen Haushalts- und Geldpolitik widerspiegelt. Die Aussich-ten für Südosteuropa (SOE) bleiben günstig. Dies ist auf die größere politische Stabilität und subregio-nale Zusammenarbeit zurückzuführen. Das Wachstum wird in diesem Jahr auf 3,6 Prozent und im nächsten auf 4,1 Prozent veranschlagt. In der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS), wo das Wachstum in 2002 bei 4,4 Prozent und 2003 bei 4,0 Prozent liegen soll, setzen die Länder, die von einem beträchtlichen Reichtum an Bodenschätzen profitieren, ihr rasches Wachstum fort. Allerdings rechnet man in Russland, der größten Volkswirtschaft der Region, mit einem Nachlassen des Wachs-tums auf knapp unter 4 Prozent.

Mittelfristig, so der Report, müssen die EU-Kandidaten weiterhin ausländische Investitionen anziehen und die Produktivität steigern, gleichzeitig aber die haushalts- und geldpolitischen Herausforderungen des EU-Beitritts sorgfältig angehen. In SOE geben große haushaltspolitische und externe Ungleichge-wichte weiterhin Anlass zur Sorge. Für die GUS-Länder dürfte die durch wettbewerbsfähige Wechsel-kurse und hohe Ölpreise begünstigte Wachstumsphase bald zu Ende gehen, und größere wirtschaftliche Diversifizierung ist notwendig. Der Aufbau der institutionellen Infrastruktur und das Management hoher externer Schulden bedeutet eine Herausforderung für etliche ärmere GUS-Länder.

Transformationsfortschritte nach Regionen

Das größte Reformtempo in MEB, insbesondere im Finanzsektor, erreichten das Baltikum, die Slowaki-sche Republik und Slowenien. Die näher rückende Aussicht auf den EU-Beitritt bedeutete für diese Länder einen klaren Anreiz. In SOE haben Bosnien und Herzegowina und die BR Jugoslawien infolge günstiger politischer und wirtschaftlicher Entwicklungen im letzten Jahr erhebliche Reformfortschritte erzielt.

Die Umsetzung von Reformen in der GUS haben auch dazu beigetragen, dass der Vorwärtsschwung der letzten Jahre nicht ganz nachließ. In Russland wurden bei der Stärkung der Finanzdisziplin und der Verbesserung der Unternehmensführungsnormen erhebliche Fortschritte erzielt. Vor kurzem wurden erste Schritte unternommen, um die Strom- und Eisenbahnensektoren zu reformieren. Einige GUS-Länder - Aserbaidschan, Tadschikistan, die Ukraine und Weißrussland - haben Maßnahmen ergriffen, um ihre Handels- und Wechselkurssysteme zu liberalisieren und staatliche Unternehmen zu privatisie-ren, aber anderswo mangelte es an wesentlichen Reformfortschritten.

Umfrage zu Geschäftsumfeld und Unternehmensperformanz

Bei dieser Umfrage (BEEPS) geht es um die Wahrnehmung und die Erfahrungen lokaler Firmen im Hinblick auf das Geschäftsumfeld. Die Ergebnisse zeigen eine wesentliche Verbesserung gegenüber der ersten Umfrage, über die im Transition Report 1999 berichtet wurde. Dies ist nicht nur auf die bessere gesamtwirtschaftliche Performanz, sondern auch auf die zugrunde liegenden Verbesserungen der Füh-rungsstrukturen zurückzuführen. Ein wichtiges Ergebnis der BEEPS von 2002 und 1999 ist die Verbes-serung des Geschäftsumfelds der Region insgesamt um etwa 0,5 Punkte auf einer Skala von 1 bis 4. Am deutlichsten waren die Verbesserungen in einigen weniger fortgeschrittenen Ländern in SOE und der GUS.

Die Wahrnehmung des Geschäftsumfelds verbesserte sich am stärksten auf den Gebieten Finanzen, Infrastruktur, Steuerwesen und Korruptions- sowie Verbrechensbekämpfung. Im allgemeinen waren diese günstigeren Werte in der gesamten Region ziemlich gleichartig, mit Ausnahme von Finanzen und Verbrechensbekämpfung. Auf diesen Gebieten waren die Gewinne von SOE und der GUS relativ hoch. Auf den Gebieten Wirtschaftsregulierung und Gerichtswesen gab es weniger Verbesserungen. Ein Teil des Problems besteht darin, dass viele Staaten immer noch zu schwach sind, um ihre eigenen Beamten unter Kontrolle zu halten oder ihre eigenen Verordnungen und Gesetze durchzusetzen.

Die Ungleichmäßigkeit des Geschäftsumfelds für verschiedene Firmentypen - von kleinen, neu gegrün-deten Privatbetrieben bis zu großen staatlichen Unternehmen - hat sich ebenfalls ausgeglichen. Da sich also der Abstand zwischen Vorreitern und Nachzüglern unter den Transformationsländern langsam verkürzt, sehen Unternehmer und Existenzgründer mehr Möglichkeiten, die negativen Erblasten der sozialistischen Vergangenheit zu überwinden.

Trotz dieser Verbesserungen sind Finanzen, Steuerwesen und Verbrechensbekämpfung in 2002 nach wie vor die stärksten Geschäftsbarrieren. Obwohl weniger Firmen über die Zahlung von Bestechungs-geldern berichten und für diejenigen, die noch zahlen, der Anteil dieser Gelder an ihren jährlichen Ver-kaufseinkünften gesunken ist, muss hier noch mehr getan werden. Die Infrastruktur gilt als das am wenigsten problematische Gebiet.

Agrarwirtschaft und ländliche Transformation

Im Sonderteil des Reports wird festgestellt, dass Agrarreformen und landwirtschaftliche Fragen in den ersten zehn Jahren der Transformation keine herausragende Rolle gespielt haben. Das Ausmaß der Agrarreformen, soweit sie überhaupt stattgefunden haben, hängt mit dem Stand der demokratischen Reformen zusammen und wird durch Interessengruppen behindert.

Die Reformtätigkeit im Agrarsektor ist jedoch nur einer der Faktoren, durch die sich Differenzen der agrarwirtschaftlichen Performanz erklären lassen. Gleichbedeutend ist die Ausgangssituation zu Beginn des Transformationsprozesses, Liberalisierung und Privatisierung in anderen Teilen der Volkswirtschaft sowie das Ausmaß und die Methoden der Bodenreform. Länder, die Grund und Boden aus politischen Gründen an Kollektive verteilt haben, hatten ein niedrigeres Produktionswachstum zu verzeichnen, ebenso Länder, in denen sich nur ein geringer Anteil des Ackerlandes im Besitz von Einzelpersonen befindet. Seit Beginn des Reformprozesses durchliefen die Transformationsländer eine umfangreiche Verlagerung ihres Agrarhandels in die OECD-Länder. Außerdem nahmen die Agrarhandelsdefizite stark zu. Dies ist zum Teil auf das hohe Maß an landwirtschaftlicher Protektion in den meisten OECD-Ländern zurückzuführen, aber auch auf eine niedrige agrarwirtschaftliche Produktivität, die den Export nach wie vor maßgeblich einschränkt. Begrenzter Zugang zu den Märkten der Hauptindustrieländer ist ein anhaltendes Problem für die Exporteure landwirtschaftlicher Rohstoffe und verarbeiteter Agrarpro-dukte.

Der Report stellt fest, dass ländliche Gebiete in vieler Hinsicht hinter den Stadtgebieten zurückbleiben. Armut und Arbeitslosigkeit sind unter den 134 Millionen Landbewohnern der Region viel weiter ver-breitet, und das ländliche Geschäftsumfeld bietet den Investoren weniger Anreize. Daher war das Wachstum ländlicher Betriebe langsamer, die Investitionen niedriger, und die Restrukturierungen dieser Unternehmen blieben weit mehr dem Zufall überlassen als die städtischer Firmen. Der Report kommt zu dem Schluss, dass die Stärkung von Marktverbindungen ein effektiver Weg zur Erhöhung der Effizienz von landwirtschaftlichen Betrieben und der Verbreiterung und Diversifizierung der wirtschaftlichen Grundlage von ländlichen Gebieten ist. Bessere Beziehungen zwischen Agrarbetrieben und ihren Kunden und Zulieferern können zu Unternehmensreformen, der Entwicklung von Fachkenntnissen und der Zufuhr von Betriebskapital führen. Eine weitere wichtige Verbindung ist die zwischen ländlichen Betrieben und Finanzinstituten. Die Transformationsländer sind immer noch dabei, ihren ländlichen Bankensektor zu reformieren und die rechtlichen und institutionellen Rahmenstrukturen zu entwickeln die es den Banken gestatten würden, ihre Kreditvergabe an den Agrarmarkt zu erweitern.

Der Transition Report 2002 bietet eine detaillierte Bewertung der Fortschritte im Transformationsprozess in Form einer regio-nalen sowie einer länderspezifischen Analyse der Reformtätigkeit. Darüber hinaus zieht er eine Bilanz der gesamtwirtschaftli-chen Performanz und untersucht die Aussichten der Region. Die Reihe der Transition Reports begann in 1994 und bietet einen wertvollen geschichtlichen Überblick über die politischen und wirtschaftlichen Reformen in MOE und der GUS sowie ihre Auswirkungen auf die wirtschaftliche Performanz

Press contact:

Jazz Singh, Tel: +44 20 7338 7931; E-mail: singhja@ebrd.com


Press contact:
Anthony Williams, Head of Media Relations - Tel: +44 20 7338 6997; E-mail: williama@ebrd.com



Konditionen Website-Navigation Reaktionen